Lasst uns aktiv werden! Oder: Warum Freiwilligkeit nicht reicht

Contrail Avoidance hat ein klassisches Marktproblem.

Die Kosten entstehen bei der Airline: mehr Planung, mehr Komplexität und je nach Route meist etwas mehr Treibstoff. In einzelnen Tests war der zusätzliche Verbrauch nicht signifikant. Für die Skalierung muss man aber trotzdem damit rechnen, dass Ausweichen in vielen Fällen etwas mehr Kerosin bedeutet.

Der Nutzen entsteht gesellschaftlich: weniger Erwärmung.

Bei CO₂ gibt es inzwischen zumindest einen Preis. Nicht perfekt, nicht hoch genug, aber er existiert. Beim EU-Emissionshandel kostet zusätzlicher CO₂-Ausstoß Geld.

Bei Kondensstreifen ist es anders: Wenn ein Flug einen stark wärmenden Kondensstreifen erzeugt, taucht dieser Effekt bislang nicht vergleichbar in der Rechnung auf.

Das führt zu einem schrägen Anreiz.

Eine Airline, die ausweicht, kann mehr Treibstoff verbrauchen — und zahlt dadurch im Zweifel sogar mehr für Kerosin und CO₂. Eine Airline, die nicht ausweicht, spart sich diese Kosten, obwohl sie möglicherweise deutlich mehr Klimawirkung verursacht.

Oder anders gesagt: Solange schädliche Kondensstreifen nichts kosten, bleibt ihre Vermeidung eine freiwillige Zusatzleistung.

Petition unterschreiben

Die EU hat angefangen. Jetzt darf sie nicht stehen bleiben.

Seit 2025 müssen Airlines in der EU Nicht-CO₂-Effekte erfassen. Das ist wichtig.

Aber: Die Pflicht gilt zunächst nur im reduzierten europäischen Scope — also im Wesentlichen für Flüge innerhalb des europäischen ETS-Raums und bestimmte angrenzende Verbindungen. Ausgerechnet viele Langstreckenflüge bleiben damit vorerst außen vor. Das ist eine vertane Chance.

Denn gerade Langstreckenflüge können wegen Flughöhe, Dauer und Nachtanteilen besonders relevant sein.

Trotzdem ist die Messpflicht ein Anfang. Nur: Messen ist nicht Vermeiden.

Die Messpflicht ist der Anfang einer ernsthaften Klimapolitik für den Flugverkehr — nicht ihr Abschluss. Der nächste Schritt muss sein, aus Daten Entscheidungen zu machen:

  • Welche Kondensstreifen gelten als besonders relevant?
  • Welche Vermeidungsmaßnahmen sind zumutbar?
  • Wie werden CO₂-Mehrverbrauch und Nicht-CO₂-Vermeidung bilanziert?
  • Welche Pflichten gelten für Airlines?
  • Welche Rolle bekommen Flugsicherung und europäische Luftfahrtbehörden?

Die Lösung ist da. Jetzt braucht sie ein Mandat.

Kondensstreifenvermeidung ersetzt keine ehrliche Klimapolitik für die Luftfahrt.

Sie macht Fliegen nicht harmlos. Sie löst nicht das CO₂-Problem. Sie ersetzt keine Bahn, keine Verkehrsvermeidung, keine nachhaltigen Kraftstoffe, keine Effizienzstandards.

Aber sie adressiert einen riesigen blinden Fleck.

Die Klimawirkung von Kondensstreifen liegt nach aktuellen Schätzungen in derselben Größenordnung wie die CO₂-Wirkung des gesamten bisherigen Flugverkehrs. Und ein großer Teil dieser Wirkung lässt sich vergleichsweise schnell adressieren.

Nicht irgendwann. Sofort.

Hilf mit, Lufthansa in Bewegung zu bringen.

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Kondensstreifenvermeidung ist machbar. Jetzt braucht es öffentlichen Druck — konkret auf die Airlines, die diese Lösung testen, skalieren und politisch nicht länger kleinreden sollten.

Unsere Petition richtet sich deshalb an Lufthansa: als größte deutsche Airline, als politisch einflussreicher Player in Europa und als Unternehmen, das bei Kondensstreifenvermeidung vorangehen könnte. Petition unterschreiben

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